__SC Scheuerfeld 1929 e.V.__



Seit der Antike her steht der Sport im Brennpunkt des Geschehens. Nach dem 1. Weltkrieg aktivierte er sich kontinuierlich zu einem Giganten. Fußball und Leichtathletik strebten breitgestreute Ziele an. Die auferlegten Fesseln von Versailles, versagten Deutschland die Teilnahmeberechtigung zur Olympiade 1924 in Paris.
Die Zeit heilte. Internationale Sportveranstaltungen feierten ihre Triumphe. Die Avus-Berlin bot rasante Autorennen.
Der Nürburgring, mit der schwierigen Gebirgspiste, gab 1927 sein Debüt. Das Stadion in Köln-Müngersdorf, das Rheinstadion in Düsseldorf, das Westfalenstadion in Dortmund warteten mit modernen Sportanlagen auf. Der ruhmreiche 1. FC Nürnberg zauberte gekonnten Fußball. Schalke 04 eroberte mit seinem Kreisel deutsche
Meisterschaften. 1928 durfte Deutschland wieder in die olympische Arena in Amsterdam einziehen.
Fußball-Länderspiele erfreuten die Massen und die Spitzenathleten der Welt zeigten in unseren deutschen Stadien stattliche Leistungen.
Dieser sportliche Enthusiasmus blieb nicht vor den Türen der Scheuerfelder Jugend stehen. Er brannte unter den Nägeln.
Für eine kurze Übergangszeit etablierte sich Anfang 1929 eine DJK-Fußballmannschaft. Ihr Spieleraufgebot war dünn.
Die internen Verhältnisse waren stärker als der gute Wille. Beim Spiel am 2. Mai 1929 gegen die DJK Herkersdorf-Offhausen auf dem Sportplatz am Kleinbahnhof, führte es zu einer Panik mit peinlichem Ausgang.
Wegen ungerechter Behandlung enttäuscht, verließen die Spieler das Feld. Die Erregung trübte die Atmosphäre.
Die Schlussfolgerung: Noch am gleichen Tag meldete man den Verein beim DJK-Verband ab, mit zusätzlicher Begründung, weil die Auswahl an DJK-Mannschaften in unserem Raum zu klein sei. Durch diese Misere saß man sportlich wieder auf dem trockenen.
Aufgrund der sonntags zuvor deprimierenden Vorgänge auf dem Sportplatz am Kleinbahnhof, berief Peter Köhler für Sonntag, den 9. Mai 1929, 16.00 Uhr, in den Eutebach`schen Saal eine Sportversammlung ein.
Peter Köhler, burschikos in seiner Art als Versammlungsleiter, eröffnete die mit 59 Personen besuchte Versammlung mit einem dreifachen Hipp-Hipp-Hurra. Ein Berg von Themen und Problemen konfrontierte die Zuhörer, die durch überzeugend aufbauende Argumente Aufmerksamkeit erzeugten. Nachdem alle Sportler, die sich bisher auswärts in der Jugend 06 Betzdorf, im Sportverein Betzdorf-Bruche betätigten, spontan die Zustimmung erklärten, sofort Ihre Aktivitäten in Scheuerfeld aufzunehmen, wuchs die Stimmung. Der Gesprächsstoff nahm eine uferlose Breite ein. Dann wurde die Frage gestellt, wer für die Gründung eines Sportvereins sei. Die Abstimmung ergab ein einstimmiges "JA". Mittlerweile war die Anwesendenzahl auf 74 gestiegen. Der Versammlungsleiter schritt zur Vorstandswahl, die überwiegend mit Abstimmungszettel vor sich ging.


Das Ergebnis lautete:


1. Vorsitzender Josef Eutebach

     Stellvertreter Paul Seifer
1. Kassierer Josef Schulte 

     Stellvertreter Aloys Böhmer Rudolf Schäfer
1. Geschäftsführer Oskar Eutebach

     Stellvertreter Heinz Metzger
Jugendleiter Karl Fuhrmann

     Stellvertreter Fritz Arend
Ballwart Franz Mies 


Spielausschuß Peter Köhler August Holschbach Josef Schäfer Josef Kraus
Hermann Prinz Gregor Schmidt Werkführer Bader Friedrich Wilhelm Müller
Spielausschuss Jugend Alfred Kapp Fritz Weber
Mannschaftsführer 1. Mannschaft Oskar Eutebach
Mannschaftsführer 2. Mannschaft Josef Muhl
Jugendmannschaft Franz Mies
Alte Herren Josef Schäfer


Zur Namensgebung des Vereins erfolgten 7 Vorschläge. Man einigte sich auf die Bezeichnung "Sport-Club Scheuerfeld".
Der Monatsbeitrag wurde auf 50 Pfennig für Erwachsene, der für Jugendliche unter 18 Jahren auf 20 Pfennig festgelegt. Eine weitere Beschlussfassung besagte, für jeden 1. Sonntag im Monat eine Versammlung einzuberufen, abwechselnd bei Eutebach`s und bei Raab.
Mit Kreisportwart Lehrer Theiß, Fußballobmann Grimmig, Schiedsrichter-Obmann Welsch bestanden gute Beziehungen, die uns eine sofortige Aufnahme in den Westdeutschen Spielerverband befürworteten, die vom WSV zügigst eintraf.
Mit dem Sportverein Betzdorf-Bruche traf man ein Abkommen, unsere Heimspiele auf deren Sportplatz auszutragen, wofür je Spiel ein Obolus von 5,-- Reichsmark zu entrichten war. Zum Schiedsrichterpfeifen setzten sich Peter Köhler, Josef Schulte, Ewald Becker jr. und Fritz Arend ein. Die vereinbarte Abgabe der schwarz-gelben Trikots seitens der DJK-Spieler klappte nicht auf Anhieb, erst später. Die daraus entstandene Situation retteten drei Spender. Sie spendeten einen Satz Trikots, einen Satz Hosen, sowie einen Fußball. Die Hilfsbereitschaft funktionierte prima.
Scheuerfeld protzte, sportlich auf eigenen Füßen zu stehen, im Bewusstsein und im Rhythmus der Zeit.
Der Spielbetrieb begann am 16. Mai 1929. Die 1. Mannschaft holten gegen die 2. Elf in Niederfischbach ein 2:2, die Jugend in Betzdorf-Bruche ein 2:2 heraus. Der Auftakt lief gut an. Fast jeden Sonntag waren unsere Mannschaften mit Spielen belegt. Die größte Niederlage, die wir je erlebten, vollzog sich am 1. Juli 1929.
Unsere 1. Mannschaft besuchte den Bonner Fußballverein, wo deren 3. Elf uns mit 12:1 die Hucke vollhaute. Das Rückspiel gewannen ebenfalls die Gäste mit 8:2. Gleichen Tages brachte unsere Jugend den ersten Wimpel vom Oettershagener Turnier mit.
Mitte Juli 1929 vermochten wir eine 2. Jugend aufzustellen, deren Betreuung Ewald Becker jr. übernahm, die ihr erstes Spiel auswärts gegen die 3. Jugend des VfB Wissen gewann. Das größte Problem bereitete natürlich der Sportplatzbau. Ab Juli wurde jedes Mitglied verpflichtet, monatlich 30 Arbeitsstunden zu verrichten.
Gleise und Kippwagen stellte die Papierfabrik zur Verfügung, die Alfons Raab mit dem Fuhrwerk zur Hell brachte. Vorsteher Wilhelm Grothe und der Gemeinderat unterstützten im Rahmen des Möglichen durch Abstellung von Gemeindearbeitern den Sportplatzbau. Um das Ziel zu erreichen, bedurfte es unaufhaltsam mühevollem Ansporn, die ca. 3000 m³ steinige Erde mit Hacke und Schaufel zu bewältigen. Uneigennützig fertigten Peter Imhäuser und Conrad Barth komplette Tore.
Emil Grothe fuhrwerkte sie zur Hell. Bei Not am Mann leisteten die mit Kuh und Pferd bespannten Fuhrwerke von Otto Schmidt und Hubert Raab für entsprechende Hilfe.

(Quelle: Festschrift zum 50-jährigen Vereinsjubiläum 1979. Chronist: Oskar Eutebach)